22.08.2026 | Ein Artikel von Denise Cordelair
»Alle finden Babys süß – und wir haben immer welche!« – Ein Besuch bei Kitten in Not e.V. in Bremerhaven
Als ich vor ein paar Wochen Kontakt mit Sabine von Kitten in Not e.V. aufnehme, ist es zuerst gar nicht so einfach, einen gemeinsamen Termin zu finden. Das liegt vor allem daran, dass der Verein fast immer alle Hände voll zu tun hat. »Tut uns leid, hier brennt gerade wieder die Luft!«, hören wir von der Vorsitzenden Sabine entschuldigend, als wir bezüglich der Terminabsprache telefonieren. »Kein Problem! Ich kann mir vorstellen, dass ihr gerade wieder sehr viel zu tun habt«, antworte ich direkt, ohne tatsächlich zu wissen, dass meine Vorstellung von der umfangreichen Arbeit des Vereins sogar noch weit von der Realität entfernt liegt.
Dass Kitten in Not e.V. in Bremerhaven und Umgebung wertvolle Arbeit für Straßenkatzen und Kitten leistet, wissen wir natürlich schon lange, aber unser Besuch bei Manuela in Bremerhaven-Lehe gibt uns nochmal einen Einblick in den Alltag der Vereinsmitglieder, bei dem uns wirklich das Herz aufgeht.
Als wir eintreffen, begrüßt uns Manuela direkt in der Tür. »Kommt erst mal in den Vorraum, dann mache ich die Tür zu! Damit niemand ausbüxt!«
Diejenigen, die da »ausbüxen« könnten, begegnen uns direkt im Flur dahinter. Drei junge Kitten in weiß-schwarzer Fellfarbe turnen aufgedreht durch den katzengerechten Eingangsbereich und sind tatsächlich mehr als neugierig, wer sie denn da besuchen kommt.
Unsere menschlichen Gesprächspartner warten gleich dahinter im Wohnzimmer. Die 1. Vorsitzende Sabine und Kassenwart Michael haben sich die Zeit für uns genommen und erwarten uns zusammen mit Manuela und ihrem Mann Ralf mit einer toll gedeckten Kaffeetafel. Wie immer sind wir total begeistert von so viel Gastfreundschaft und Mühe!
Bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen kommen wir ins Gespräch über den Verein. Kitten in Not e.V. gibt es bereits seit dem Jahr 2013 und viele der Mitglieder sind auch bereits lange Zeit dabei. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich in Bremerhaven um verwilderte Katzen, Kater und Kitten zu kümmern. Die Tiere werden eingefangen, medizinisch versorgt und kastriert, um zu verhindern, dass sie sich weiter unkontrolliert vermehren können. Die Kitten werden auf den Pflegestellen liebevoll aufgepäppelt und, wenn möglich, sozialisiert, damit sie später in ein neues Zuhause vermittelt werden können. Nicht sozialisierbare Streuner werden nach der Kastration in ihre vertraute Umgebung zurückgebracht und dort weiter beobachtet.
Aktuell dienen zudem 6 Haushalte als Pflegestellen für Katzen und Kitten. »Deshalb sind wir heute bei Manuela!«, erklärt Sabine. »Sie hat eine Pflegestelle und momentan neben den Kitten, die ihr gerade bereits kennengelernt habt, auch noch eine Katze mit einem ganz jungen Wurf bei sich.«
Wir fragen nach den Voraussetzungen, die man erfüllen muss, um Pflegestelle werden zu können, und erfahren, dass pro Wurf ein eigenes Zimmer notwendig ist. Nicht alle Katzen und Kitten sind sozial miteinander und da ein Wurf auch viele Kitten haben kann, ist Platz und eine passende Umgebung Grundvoraussetzung.
Damit ein Wurf in einer Pflegestelle, wie der von Manuela, landet, muss zunächst eine Meldung bei Kitten in Not e.V. eingehen. Das geschieht manchmal über Privatpersonen, hin und wieder aber auch über das örtliche Tierheim, mit dem der Verein im engen Austausch steht.
Der Großteil an Kosten, der dabei zusammenkommt, setzt sich aus Tierarztrechnungen zusammen. »Die Tiere bekommen Impfungen, werden kastriert und müssen auch teilweise in Quarantäne, wenn sie zu uns kommen«, erklärt uns Sabine. »Wer nicht vermittelbar ist und auch nicht zurück in die gewohnte Umgebung kann, wird zum Dauerpflegetier.« Insbesondere die Mütter der Kitten sind oft schwer zu vermitteln. Hin und wieder muss der Verein einen Aufnahmestopp verhängen, da ihre Kapazitäten erschöpft sind.
In den letzten Jahren ist die Zahl der Straßenkatzen kaum zurückgegangen. »Das kann man gar nicht zählen«, sagt Sabine. Insbesondere die Zahl erkrankter Kitten ist gestiegen, was vor allem auf den Inzest auf der Straße zurückzuführen ist. Deshalb gibt der Verein die Katzen nur nach erfolgreicher Kastration oder mit der Aussicht auf einen Kastrationsnachweis ab. Neue Besitzer zahlen für die Kitten nur die Schutzgebühr, die kaum die anfallenden Kosten deckt.
»Wir schauen uns auch immer den Haushalt an, in den die Katzen kommen würden. Meistens haben wir dann schon das richtige Bauchgefühl!«, sagt Manuela. Ab 12 Wochen können die Kitten vermittelt werden. Häufig kommen sie im Alter von 5–6 Wochen in der Pflegestelle an. »Wir haben fast immer Flaschenkinder, weil die Mütter noch zu jung zum Säugen sind. Darauf haben wir uns mittlerweile spezialisiert!«, erklärt Sabine uns. »Die brauchen dann alle 2–3 Stunden eine Flasche – auch nachts!«
Apropos Kitten! Wir dürfen mit Manuela ins obere Stockwerk, wo uns ein separater Raum für die frisch gebackene Katzenmama und ihre vier Kitten erwartet. Natürlich sind wir direkt verliebt, als wir in die vier kleinen Augenpaare schauen dürfen – aber wir haben noch im Hinterkopf, wie viel Arbeit und Verantwortung Manuela und die anderen Pflegestellen tagtäglich übernehmen müssen.
»Es gibt viele tolle Momente, aber auch traurige, wenn man Tiere gehen lassen muss!«, erzählt uns Michael. »Das wird nie zur Gewohnheit, aber das sollte es auch nie.«
Als seinen schönsten Moment mit den Tieren nennt uns Michael seine Erinnerung an seinen Pflegekater »Curry«. Der Kater wurde durch einen Fuchs schwer verletzt und wurde von ihm und Sabine aufgepäppelt. »Wenn ich dann auf dem Sofa lag, kam er immer zu mir und hat sich auf meine Brust gelegt – das war vollstes Vertrauen vom Tier!«
Abschließend fragen wir die Drei noch nach der Motivation, die sie dazu bringt, sich schon seit so vielen Jahren ehrenamtlich für die Tiere einzusetzen. Neben ihrer eindeutigen Tierliebe und dem generellen Wunsch, etwas Gutes zu tun, gibt Vorsitzende Sabine noch eine Antwort, die uns schmunzeln lässt: »Alle finden Babys süß – und wir haben immer welche!«
Wir von Weser-Elbe hilft sagen nochmal Danke für unseren tollen Besuch in der Pflegestelle bei Kitten in Not e.V.! Eure Arbeit hat uns wahnsinnig beeindruckt und wir hoffen, dass wir euch auch in Zukunft mit Spenden unterstützen können.
