08.05.2026 | Ein Artikel von Petra Treske-Bolle
Begleitung, die Menschen trägt - Besuch beim Hospizverein Loxstedt
Der Hospizverein wurde am 9. September 2020 gegründet und setzt sich seitdem dafür ein, schwerkranke und sterbende Menschen (Erwachsene) sowie deren Angehörige in einer besonders sensiblen Lebensphase zu begleiten. Die Arbeit des Vereins basiert auf Menschlichkeit, Respekt und dem Wunsch, Betroffenen Zeit, Aufmerksamkeit und Unterstützung zu schenken.
Jährlich begleitet der Hospizverein Loxstedt 30 bis 40 Betroffene sowie ihre An- und zugehörigen. Eine deutliche Steigerung des Bedarfs ist für sie spürbar.
25 aktive ehrenamtlichen HospizbegleiterInnen, die ihre Zeit und ihr Engagement unentgeltlich zur Verfügung stellen, begleiten das Leben am Lebensende. Die Begleitung orientiert sich stets an den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen. Jeder Mensch ist anders, und deshalb wird auch die gemeinsame Zeit nach den Wünschen und Möglichkeiten der zu begleitende Person gestaltet.
Die Aufgaben des Vereins sind vielfältig. Neben der Sterbebegleitung und Palliativberatung gehören die Vorstandsarbeit, die Öffentlichkeitsarbeit, die Planung von Gruppenangeboten sowie das Projekt „Hospiz macht Schule“ zu den wichtigen Tätigkeitsfeldern. Darüber hinaus engagiert sich der Verein im Bereich Prävention und leistet wertvolle Aufklärungsarbeit. Auch die Gewinnung neuer Ehrenamtlicher sowie deren Vorbereitung in einem 93h Kurs auf das Ehrenamt ist Aufgabe des Vereins. Ein neuer Kurs startet im Januar 2027.
Der Verein steht allen erwachsenen Menschen sowie ihren Angehörigen offen, die Unterstützung benötigen. Die Kontaktaufnahme erfolgt häufig durch Angehörige, Pflegedienste, Palliativstationen, Pflegeheime oder durch Betroffenen selbst. Am Anfang steht immer ein ausführliches Erstgespräch sowie die Palliativberatung mit der hauptamtlichen Koordinatorin, die selbst ausgebildete Palliativfachkraft ist. Dabei wird besprochen, was möglich ist und welche Wünsche die Betroffenen und ihre Familien haben.
Besonders wichtig ist dem Verein seine Unabhängigkeit. Er arbeitet gemeinnützig, ohne Träger und ohne parteipolitische oder weltanschauliche Bindung. Die Begleitung ist für die Betroffenen kostenlos. Finanziert wird die Arbeit durch Fördermittel der Krankenkassen, sowie durch Spenden und Mitgliedsbeiträgen.
Ein weiteres Themenfeld ist das Projekt „Hospiz macht Schule“. Dabei besuchen speziell geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Grundschulen und gestalten eine Projektwoche für die dritten und vierten Klassen. An fünf Tagen, jeweils von 8 – 12 Uhr beschäftigen sich die Kinder altersgerecht mit den Themen Leben, Krankheit, Sterben, Tod und Trauer. Jeder Tag steht unter einem eigenen Motto. Unterstützt wird das Projekt u. a. von einer Ärztin und einem Bestatter, die den Kindern Einblicke in ihre Arbeit geben und Fragen beantworten. Ziel ist es, Berührungsängste abzubauen und einen offenen Umgang mit diesen wichtigen Lebensthemen zu fördern.
Damit der Verein seine wertvolle Arbeit auch künftig leisten kann, ist er auf Unterstützung angewiesen. Aktuell stehen eine notwendige Renovierung der Büroräume an. Zudem werden Spenden für die Aus- und Weiterbildung der ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleiter benötigt, für Taschen für die begleitertätigkeit sowie für die Fortführung des Projektes „Hospiz macht Schule“.
Die ehrenamtlichen Begleiter tun dies aus einer tiefen persönlichen Überzeugung heraus. Viele Begleiterinnen und Begleiter möchten einen Teil ihrer Zeit sinnvoll einsetzen und Menschen in einer besonders schwierigen Lebensphase zur Seite stehen. Sie schenken nicht nur Zeit, sondern auch Aufmerksamkeit, Zuhören und menschliche Nähe. „Ein offenes wertfreies Ohr“.
Die Ehrenamtlichen berichten oft, dass sie selbst erfahren haben, wie wertvoll Unterstützung in schweren Zeiten sein kann. Mit ihrem Engagement möchten sie etwas an die Gesellschaft zurückgeben. Dabei geht es nicht darum, Probleme zu lösen oder Antworten auf alle Fragen zu haben. Häufig ist es bereits eine große Hilfe, einfach da zu sein, zuzuhören oder gemeinsam zu schweigen.
Diese Arbeit zeigt, dass Mitmenschlichkeit keine großen Worte braucht. Ein wertfreies Zuhören, ein Spaziergang, das Vorlesen eines Buch oder das Halten einer Hand können für schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen von unschätzbarem Wert sein.
Unsere Ehrenamtliche empfinden ihre Tätigkeit nicht nur als Aufgabe, sondern als persönliche Bereicherung. Sie erleben, wie wichtig menschliche Begegnungen sind, und erfahren immer wieder, dass Geben und Empfangen eng miteinander verbunden sind. Sie freuen sich über das Vertrauen der zu Begleitenden und ihren Angehörigen.
